Es war um 1927, als Klaus Mann - Sohn von Thomas Mann - ein kleines Theater-Tanzstück über sieben Szenen schrieb und es “Die zerbrochenen Spiegel” nannte. Lange waren diese Texte verschollen, bis sie vor Kurzem wieder auftauchten und auch zum Thema unseres Kurses “Interactive Environments II” wurden:

Die Hochschule für bildende Künste Hamburg griff dieses Stück auf und ist derzeit im Begriff, eine interaktive Ausstellungsinstallation zu diesem Schriftstück, seinem Inhalt und seiner Entstehungsumgebung in den 20er Jahren zu planen. Das Design und die Ideen für die geplanten interaktiven Möglichkeiten sollten aus unserem Kurs kommen. Nachdem wir zunächst verschiedene interaktive Ausstellungen unter die Lupe genommen hatten, begannen wir bald, uns Designs samt Interaktionen zu überlegen und Skizzen anzufertigen. Ein paar meiner interaktiven Entwürfe seht ihr hier:

Da im Stück von “fantastischen” Blumen die Rede ist und überdies eine zerbrochene Scheibe eine wichtige Rolle spielt, habe ich im ersten Entwurf diese Elemente abstrakt kombiniert. Eine fensterartige Installation, zwischen deren zerborstenen Scheibenstücken gewaltige Blumenköpfe hervorragen. In Wahrheit tauchen sie aus Löchern eines Stofftuches hervor, welches wiederum durch dahinter montierte Lichter bläulich angestrahlt wird. Nähert sich ein Besucher, reagiert ein integrierter Bwegungsmelder, der Besucher vernimmt ein sich steigerndes Geräusch von Schreien und leidenden Menschen - das Licht wechselt von blau nach rot, ein beklemmendes Gefühl macht sich breit …


Da ein wahrer Pulk an Arbeitern in dem Stück vorkommt, habe ich einen Entwurf mit Schaufensterpuppen skizziert, welche die im Text genannten Trachten tragen: Schwarze Kleidung mit roten Scherpen. Sie werden in der Ausstellung verteilt umherstehen und die Idee sieht vor, dass jede von ihnen einen Druckknopf in der Hand hält, der beim Drücken das Abspielen verschiedener interessanter Textauszüge zur Folge hat. So kann der Besucher viel persönlicher eintauchen, in die Geschichte, die uns Klaus Mann zu erzählen versucht …


Dieser Spiegel besteht aus lauter Scherben. Doch manche von ihnen sind mit einem Bildträger-Material überzogen, auf denen ein nicht weit entfernter Beamer bei Kontakt oder Bewegung kleine Videoausschnitte von Tänzern aus den 20er Jahren auf die einzelnen preparierten Scherben projiziert werden. Ein wunderlicher Spiegel, der mehr zu zeigen scheint, als man sehen zu können glaubt …


Hier habe ich eine Projektionsidee gehabt, die sich theoretisch auf beliebig viele Wände übertragen lässt. Es geht darum, insgesamt eine eher beklemmende Stimmung zu schaffen und kleine Angstreize auszulösen. Zu diesem Zweck werden Feuerflammen an die Wände projiziert, Flammen, durch die leidende Menschen - nur silhouettenhaft erkennbar - vorbei zu marschieren scheinen. Sie sagen nichts und antworten auf keine Fragen …

Der Vorhang ist ebenfalls eine interaktive Projektionsidee: Der zunächst zugezogene Vorhang lockt den Besucher und löst bei Berührung bzw. beim Wegziehen einen Beamer aus, der in die dahinter montierten leeren Bilderrahmen verschiedene Szenen aus altem Filmmaterial ausstrahlt. Es kommt dem Besucher vor, als sei er in die privaten Erinnerungen eines Mannes aus der Vergangenheit - eines Tänzers - geraten …

Wer Lust hat, sich die Ausstellung anzuschauen, kann dies vom 09. bis 19. Juni 2010 in der gewaltigen Aula der Hochschule für bildende Künste Hamburg (www.hfbk-hamburg.de) tun! Dazu noch ein kleiner Tipp: Wenn ihr in der Ausstellung eine große Stadtkarte findet, könnt ihr euch unter anderem von mir persönlich einige interessante Hamburger Orte der 20er vorstellen lassen …

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