In Deutschland ist „Sprecher“ oder „Sprecherin“ keine geschützte Berufsbezeichnung, es gibt kein Studium und keine staatlichen Ausbildungswege, die auf einen entsprechenden Abschluss hinführen. Der übliche Weg führt somit über eine klassische Schauspielausbildung. Diese wird bei vielen Agenturen und Jobangeboten sogar vorausgesetzt. Doch garantiert selbst ein Diplom im Darstellenden Spiel nicht dafür, ein guter Sprecher zu sein. Mit festem Stand vor dem Mikrofon zu stehen, um keine Nebengeräusche zu produzieren, dürfte jedem bewegungsfreudigen Schauspieler eher widerstreben; und auch die gesamte Aufmerksamkeit nicht mehr auf Mimik, Gestik und Gesamtkörperausdruck zu legen, sondern eben nur und ausschließlich auf die Stimmlaute, dürfte ebenfalls eine deutliche Umstellung bedeuten.
Der begehrte Sprecher Christian Rode – ein „alter Hase“ im Studio
Doch wie gelangt man dennoch zu einem berufspezifischen Atem- und Stimmtraining? Es gibt „viele kleine Wege“: Von privatem Sprechtraining bei einem erfahrenen Sprecher oder Sprecherzieher über Rhetorik-Seminare an Universitäten, diversen Kursen an Volks- und Musikhochschulen oder Theatern, bis zu praxisnahen Weiterbildungslehrgängen, wie sie zum Beispiel von Carmen Molinar von International Voice angeboten werden. An einem dieser 5-tägigen Intensivseminare mit rund 46 vollen Unterrichtsstunden, nahm ich im Oktober dieses Jahres teil – erstmals im Studio TV-Synchron in Berlin Adlershof.
Lehrgangsleiterin Carmen Molinar und Radioproduzent Willi Meyer
Mag die Zeit auch knapp bemessen sein, so vermittelt dieser Intensiv-Lehrgang dennoch alles an Theorie, was man als angehender Sprecher benötigt: Von der Textanalyse und speziellem Synchronvokabular über die verschiedenen Genres des Sprecherberufes und Aussprache-Regeln bis zu wichtigen Bewerbungshinweisen, der Honorierung und Selbst-Vermarktung eines Sprechers. Doch auch die Praxis kommt nicht zu kurz: Meist von einer doppelten Dozentenbesetzung begleitet, hat ein jeder Teilnehmer die Möglichkeit, sich selbst im Aufnahmestudio mehrfach auszuprobieren, sei es für Werbespots und Ansagen, Film- und Zeichentricksynchronisation, Imagefilm oder Reportage, Hörspiel oder Hörbuch – nach diesen fünf Tagen weiss man meistens schon ziemlich genau, was einem besonders Freude macht und in welchem Genre man die eigene Stimme am sinnvollsten einsetzen kann.
Theorieeinheit bei Dozentin Karin Lehmann
Dozentin Karin Lehmann über das
Synchronsprechen im Zeichentrickfilm
Aufgelockert wird die Theorie oftmals durch kleine Auflockerungs-, Atem- oder Stimmübungen, die in der gesamten Teilnehmergruppe stattfinden. Hier darf dann auch gerne wieder das körperliche Schauspiel etwas zur Geltung kommen, wenn es zum Beispiel darum geht, seinen Steh-Nachbarn mit Lauten der Fantasiesprache „Grommolo“ zum Lachen zu bringen, als erzähle man sich einen wirklich guten Witz. Nicht Inhalt, sondern spielerischer Ausdruck werden hier trainiert.
Alles in Allem war es ein gelungenes Seminar mit sehr kompetenten wie auch sympathischen Dozenten, einer angenehmen Atmosphäre, sowie fundiertem Theoriewissen und konkretem Praxisbezug. Ein Komplettpaket, dem lediglich Eines fehlt: Mehr Zeit zum Üben. Doch das kann selbst die längste Ausbildung nicht liefern – ein jeder Sprecher muss sich selbst stets fordern und am Ball bleiben. Denn wie heisst es doch so schön: Nur die Übung … macht den Meister. Und das gilt für ausgebildete Schauspieler ebenso, wie für Quereinsteiger mit Talent.
„Lachübung“ in der Gruppe